Abschnitt 4.1Warum zentrale Netze zuerst zusammenbrechen
Die Annahme „im Notfall benutze ich mein Handy" ist der häufigste Planungsfehler im gesamten Autarkie-Konzept. Mobilfunk ist keine robuste Infrastruktur, sondern eine stromabhängige Dienstleistungskette mit vielen Einzelpunkten, die du nicht kontrollierst.
Die Ausfallreihenfolge bei einem Blackout
| Zeit nach Netzausfall | Was ausfällt | Grund |
|---|---|---|
| 0–30 min | Mobile Daten (LTE/5G) an Randstandorten | Kleine Basisstationen haben oft keine Notstromversorgung |
| 30 min – 8 h | Mobilfunk-Sprache flächig | USV-Batterien der Basisstationen erschöpft |
| 1–4 h | Festnetz / VoIP | Router im Haus stromlos, Vermittlungstechnik auf Restlaufzeit |
| 8–72 h | Kernnetz-Standorte | Diesel-Notstrom nur punktuell, Nachbetankung wird Logistikproblem |
| Tage–Wochen | UKW-Rundfunk regional | Grosse Sender haben Notstrom, Füllsender nicht |
| bleibt | Eigene Funkinfrastruktur | Kein fremder Betreiber, kein fremdes Netz, kein fremder Strom |
Alles, was eine Gegenstelle braucht, die dir nicht gehört, ist kein Notfallplan. Das gilt auch für Satelliten-Messenger und Starlink: beides funktioniert nur, solange Betreiber, Bodenstation und dein Abonnement funktionieren. Nimm sie als Komfort dazu — aber baue dein Fundament auf Technik, die zwischen deinen Geräten funktioniert.
Der Anspruch an das eigene Netz
Ein krisenfestes Kommunikationssystem muss vier Eigenschaften gleichzeitig erfüllen:
- Dezentral — kein zentraler Knoten, dessen Ausfall alles lahmlegt
- Energiearm — Dauerbetrieb aus einem Solarmodul in Zigarettenschachtelgrösse
- Verschlüsselt — Nachbarschaftsfunk ohne Mitlesbarkeit
- Selbstheilend — fällt ein Knoten aus, sucht das Netz neue Wege
Genau dieses Profil erfüllt LoRa-Mesh. Kein anderes lizenzfreies Verfahren kommt in die Nähe.
Abschnitt 4.4Reichweite realistisch berechnen — in drei Schritten
Hier trennt sich seriöse Planung von Werbeversprechen. Die oft zitierten „bis zu 15 km" sind keine Lüge, aber sie beschreiben nur eine von drei Grenzen. Du musst alle drei prüfen — und die kleinste gewinnt.
Schritt 1: Geometrische Obergrenze (Funkhorizont)
Wie weit reicht die Sichtlinie überhaupt, bevor die Erdkrümmung sie abschneidet?
Durchgerechnet: Relais-Mast auf einer Anhöhe, h₁ = 12 m · Handgerät, h₂ = 1,7 m
Umgestellt — welche Masthöhe brauche ich für eine Zieldistanz?
Von 17 km auf 25 km kostet dich also einen Sprung von 12 m auf 32 m Masthöhe. Das ist der Grund, warum man Berge statt Masten benutzt: eine natürliche Erhebung liefert die Höhe gratis.
Schritt 2: Leistungsbilanz — kommt genug Signal an?
| Distanz | FSPL | Empfangsleistung | Reserve |
|---|---|---|---|
| 1 km | 91,2 dB | −57,3 dBm | 74,7 dB |
| 5 km | 105,2 dB | −71,2 dBm | 60,8 dB |
| 10 km | 111,2 dB | −77,3 dBm | 54,7 dB |
| 20 km | 117,2 dB | −83,3 dBm | 48,7 dB |
| 50 km | 125,2 dB | −91,2 dBm | 40,8 dB |
Selbst auf 50 km bleiben über 40 dB Reserve — das ist mehr als der Faktor 10.000 an Leistung. LoRa ist bei Sichtverbindung nicht leistungsbegrenzt. Jede Diskussion über stärkere Sender oder Verstärker ist am Problem vorbei. Was dich tatsächlich stoppt, ist Schritt 3.
Schritt 3: Fresnel-Zone — der eigentliche Begrenzer
Funkwellen brauchen nicht nur eine Sichtlinie, sondern einen freien Schlauch um diese Linie. Ragt Gelände in diesen Schlauch, bricht die Verbindung ein — obwohl du das Ziel mit dem Fernglas siehst.
| Streckenlänge | Fresnel-Radius r₁ | 60 % = Praxisregel | + Erdkrümmung |
|---|---|---|---|
| 1 km | 9,3 m | 5,6 m | 0,0 m |
| 5 km | 20,8 m | 12,5 m | 0,4 m |
| 10 km | 29,4 m | 17,6 m | 1,5 m |
| 20 km | 41,6 m | 24,9 m | 5,9 m |
| 50 km | 65,7 m | 39,4 m | 36,8 m |
Bei einer 10-km-Strecke musst du in der Streckenmitte rund 18 Meter Abstand über jedem Hindernis haben — nicht null. Eine Baumreihe, eine Geländekante oder ein Dach, das die Sichtlinie gerade so freigibt, kostet dich trotzdem 10–20 dB. Genau hier scheitern die meisten selbstgebauten Links.
Prüfvorgehen: Trage beide Standorte in ein Höhenprofil-Werkzeug ein (z. B. das Geländeprofil von swisstopo) und kontrolliere den freien Korridor über die gesamte Strecke — nicht nur an den Endpunkten.
Abschnitt 4.7Die autarke Solar-Relaisstation dimensionieren
Das Herzstück des Moduls. Ziel: ein Knoten, der ohne jede Wartung durch den Winter läuft — auch unter Schnee.
Schritt 1: Tagesenergiebedarf
Ein Relais-Knoten verbraucht also etwa eine Wattstunde pro Tag — so viel wie eine LED-Lampe in vier Minuten.
Schritt 2: Akku mit Kältekorrektur
Schritt 3: Solarmodul
Der wichtigste und am häufigsten übersehene Punkt bei alpinen Relaisstationen. LiFePO4- und Li-Ion-Zellen dürfen unter 0 °C nicht geladen werden. Es kommt zu metallischer Lithium-Abscheidung an der Anode — irreversibel, kapazitätsvernichtend und im Extremfall ein Kurzschlussrisiko.
Genau das passiert bei deiner Station jeden klaren Wintermorgen: Zelle bei −8 °C, Sonne trifft das Modul, Laderegler beginnt zu laden. Nach einem Winter ist der Akku hin — und du suchst den Fehler im Funkmodul.
Lösung: BMS mit Low-Temperature-Charge-Cutoff verwenden (nicht jedes Billig-BMS hat das — im Datenblatt prüfen). Zusätzlich den Akku im Gehäuse thermisch isolieren. Entladen ist bis etwa −20 °C unproblematisch, nur das Laden ist kritisch.
Für eine Haus-PV-Anlage wäre 90° unsinnig. Für einen 10-W-Relaisknoten ist es oft optimal: du hast im Sommer ohnehin einen Ertragsüberschuss vom Faktor 10, brauchst aber im Dezember jede Wattstunde. Steil montiert liegt kein Schnee auf dem Modul, es fängt die tiefstehende Wintersonne und profitiert von der Albedo der Schneedecke.
Die vollständige Komponentenliste mit Spezifikationen — Funkmodul, Antenne, Laderegler, BMS, Gehäuse, Blitzschutz — steht im PDF. Konkrete Bezugsquellen und aktuelle Preise pflege ich separat auf der Komponentenseite.
Hol dir das vollständige Modul 4
Du hast oben drei von zehn Abschnitten gelesen. Im PDF fehlen noch: die Vier-Ebenen-Funkhierarchie, die Rechtsübersicht CH/DE, die komplette Meshtastic-Konfiguration inklusive der Rollen-Falle, die Hardware-Matrix, das Gebirgs-Kapitel, der Wartungsplan und die 22-Punkte-Checkliste.
Das GesamtwerkModul 4 ist ein Sechstel
Kommunikation ist eine Säule von sechs. Der vollständige GEO-Autarkie-Kompass behandelt die gesamte Infrastruktur eines autarken Grundstücks von 1,5 Hektar — nach derselben Methode: jede Zahl hergeleitet, jede Formel durchgerechnet, jede Falle benannt.
Standort & Zonen
Permakultur-Zonenplanung, Flächenbedarf, Mikroklima, Topographie für Schwerkraftnutzung.
Stromversorgung
48 V Inselanlage, LiFePO4-Dimensionierung, MPPT, Kabelquerschnitte, Notstrom-Kopplung.
Wasser & Sanitär
Brunnen, Zisterne, 4-Stufen-Filtration, Trenntoiletten, Nährstoffkreislauf.
Kommunikation
Dieses Modul. Als Gratis-PDF vollständig verfügbar.
Nahrung & Kleinvieh
Kalorienrechnung, Kulturpflanzen-Matrix, Hühner und Kaninchen, Saatgut-Autarkie.
Werkzeugkasten
Formelsammlung, Ersatzteilmatrix, Wartungskalender, Inbetriebnahme-Checkliste.
Wer das Gratis-PDF anfordert, erfährt in der Mailfolge, wann und zu welchen Bedingungen das Gesamtwerk erscheint.